Melanchthons reife Theologie der Rechtfertigung

Sven Grosse: Melanchthons reife Theologie der Rechtfertigung. In: Református Szemle 111.5 (2018), 523-533. pp.

Der Vortrag würdigt zu Beginn Philipp Melanchthons Bedeutung für die Reformation und den Aufbau des Bildungswesens in Siebenbürgen und wendet sich dann seinem theologischen Hauptwerk, den Loci theologici zu. Während unter dem Einfluß des Neuprotestantismus die frühen Loci von 1521 starke Beachtung erhalten hatten, waren die späteren Fassungen der Loci in den Ruf geraten, Melanchthon habe hier seinen reformatorischen Elan verloren. Melanchthon nennt jedoch auch in seiner letzten Ausgabe der Loci 1559 die Lehre von der Rechtfertigung den Hauptinhalt der christlichen Botschaft. Er focussiert hier den Begriff Glaube: die Stellvertretung Christi für sich geschehen sein lassen, und Gnade. Melanchthon macht hier deutlich, daß der „forensische“ Charakter seiner Rechtfertigungslehre nicht bedeutet, daß der Mensch betrachtet würde, als ob er aufgrund seiner moralischen Qualität gerecht wäre – es aber nicht ist –, sondern daß Rechtfertigung das Angenommensein der Person durch Gott besagt, das verbunden und zugleich unterschieden ist von einer anfangenden moralischen Veränderung.